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Jan Gerlach " Toolbot"

Wann und mit welcher Motivation hast du gegründet?

2006 bis 2013 studierte ich in Potsdam Industriedesign/Produktdesign mit Fokus auf Eco-Design. Ich war ein paar Jahre Produktdesigner in Berlin Wedding, da habe ich mich von Auftrag zu Auftrag gehangelt. Leider gab es damals noch keine großen oder spannenden Aufträge im Eco-Design. Das war und ist heute leider noch immer größtenteils 'greenwashing', weil es oft nur oberflächlich gedacht wird. Parallel hatte ich einen Lehrauftrag für Eco-Design.  Da entwickelte ich für die Studierenden ein Konzept, das über übliche Effizienz- und Materialfragen hinausging. Ich übertrug das Prinzip 'Car-Sharing' auf Werkzeug und andere Dinge, die man nicht täglich braucht: Teilen sich 100 Menschen ein Ding, sparen sie 99% Energie, Emissionen, Material und haben eine größere Auswahl und bessere Qualität, als sie sich allein leisten könnten. Ich fragte mich: „Warum macht man das so noch nicht?“ Für die Gründe entwickelte ich technologische, ergonomische und organisatorische Lösungsansätze. So ergab sich zwischen 2013 und 2018 immer mehr das Denken und Wirken, Prozesse und bestehende Abläufe zu verbessern. Ursprünglich wollte ich auch gar kein Startup daraus gründen.   

2017 habe ich mit meinem guten Freund Christian Lehmann, der als Ingenieur für Robotik und Automatisierungstechnik promovierte, ein EXIST-Stipendium beantragt. Toolbot war dann das Produkt hinter der Idee, das wir, zusammen mit weiteren Freunden, die IT-Experten sind, separat entwickelten. Am Ende hat es ein Jahr gedauert, den Toolbot-Prototypen und einen detaillierten Businessplan zu entwickeln, den wir verschiedenen Unternehmen vorgestellt haben. Im November 2018 kam es zur Gründung von thingk.systems.

 

Was genau machst du? Mit welchem Wunsch kommen die Kunden zu dir?

Die Leistungen, die wir anbieten bzw. denen wir nachgehen, sind vielseitig. Thingk.systems ist das Unternehmen hinter Toolbot und anderen Produkten, die aus dem smart.toolcase  einer App und einem modularen Stationssystem bestehen.

Das ist zum Beispiel ein sog. 'Click & Collect' – Übergabesystem für Waren und Pakete. Wir entwickeln Hardware, Microelektronik und Software selbst und arbeiten bei der Metallverarbeitung mit einem regionalen Partner zusammen. Bei Toolbot geht es um die Kurzzeitleihe von Werkzeugen. Der Toolbot ist eine automatisierte Verleihstation für Werkzeug aller Art, von Klebepistolen über Nagelpistole und Schleifer, bis hin zu Kreissägen. Es sind kaum Personalkosten nötig und gleichzeitig wird eine hohe Verfügbarkeit der Werkzeuge gewährleistet.

Kund:innen müssen sich nur einmalig registrieren und schon kann es losgehen. Die Leihkosten sind so günstig, dass es eine echte Alternative zum Kauf darstellt, vor allem kurze Mietzeiten.

 

Die Toolbot-Stationen sind baukastengleich aus Modulbausteinen aufgebaut, die mit einem einzigen Kabel mit Internet und Stromanschluss verbunden sind und deshalb leicht verändert oder erweitert werden können. Sie sind für die Zukunft konstruiert, in der ein starker Wettbewerb um gute Standorte für Stationen herrschen wird. Toolbot Stationen kosten erst einmal relativ viel Geld, amortisieren sich aber schon über 2-3 Jahre und halten wohl zehn bis zwölf Jahre. Um das Angebot ausrollen zu können, ohne viele Millionen Euro und ein dichtes Servicenetz haben zu müssen, machen wir bald ein Franchisesystem daraus. Dafür gibt es schon jetzt eine große Nachfrage. Um weitere Produktgruppen neben Werkzeug leihbar zu machen, stellen wir anderen Start-ups und Unternehmen unter dem Namen 'share.bot' die modernste Technologie an.

 

Wie konnte dir die Zukunft Lausitz bei deiner Gründung helfen?

Ich muss betonen, dass ich selber nicht über die Zukunft Lausitz gegründet habe. Jedoch half mir der Kontakt zum Gründungszentrum weiter. Zum Beispiel, als ich 2020 einmal meine Idee auf einer Veranstaltung der Zukunft Lausitz gepitcht habe. So konnte ich Kontakt zum Bahnhofsmanager herstellen, sodass wir 2021 einen Automaten am Cottbuser Hauptbahnhof aufstellen konnten. Außerdem konnten wir 2021 mit der Hilfe von Caro bei der Radio Cottbus Sendung Mut&Macher für uns werben.

 

Was ist das Schönste an deinem Job?

Ich kann mich mit meinen Ideen verwirklichen, die vielen Möglichkeiten nutzen und Menschen mitziehen. Ich übertreibe nicht, wenn ich sage, dass es die Idealvorstellung von Arbeit ist, wie ich sie mir immer gewünscht habe. Mit meinen Kolleg:innen ziehe ich am selben Strang, und ich weiß, ich bin im Umfeld von Leuten, mit denen ich auch gern meine Freizeit verbringe.

 

Gab es Hürden auf deinem Weg?

Bisher machen ich und meine Kollegen viele Jobs parallel. Das ist aber auf Dauer immer anstrengender und verbraucht so viel Zeit. Die würde ich lieber in das stecken wollen, was ich gut kann und auch mag und andere Dinge denen überlassen, die das auch besser beherrschen. Derzeit ist die finanzielle Situation noch unsicher, was immer irgendwo Druck entstehen lässt.

Ganz am Anfang sagte jemand aus der Branche, dass unsere Idee nicht funktioniert, weil das Werkzeug nach jeder Ausleihe geprüft werden müsse. Im Rahmen des EXIST-Stipendiums haben wir ein Rechtsgutachten erstellen lassen, dass das widerlegen konnte und damit die Grundlage unserer Idee darstellte.

 

Hast du Tipps für andere Gründer:innen?

Ihr müsst viel Geduld haben, aufpassen, dass ihr nicht hart ausgenommen werdet. Bleibt überzeugt von eurer Vision, egal welche Rückschläge es so gibt aber verbessert sie iterativ, indem ihr Pitches mitnehmt, Netzwerke nutzt und aus Erfahrungen und Einwänden lernt. Wichtig dabei ist, offen für Kritik zu sein.

 

Ende 2022 startete er ein Crowdinvesting für eine seiner zukunftsweisenden Ideen. Dabei erhalten Investitionen ab 250 Euro eine Basisverzinsung und nach 8 Jahren eine Erfolgsbeteiligung, wie man es von Aktien kennt. Lokale private Investoren erhalten in einer sog. Pre-Funding-Phase Vorrang und bessere Konditionen. Wer Interesse hat, kann sich per Mail bei Jan melden:jan@toolbot.de